Kunst, Kitsch und Korruption
- oliversdrojek
- 20. Mai
- 9 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 24. Mai

Nicht kleckern, sondern klotzen: Das gilt an der Costa del Sol sowohl für das Bauwesen als auch für die Inszenierung des öffentlichen Raumes. Behörden und Privatwirtschaft statten Hand in Hand die touristischen Hotspots mit monumentalen Skulpturen und Fassadenmalereien aus. Die Ästhetik und Finanzierungsmethoden sind zuweilen dubios und sorgen für Polemik.
Málaga: Götterdämmerung am Hafen
Die Götter der Antike waren bekanntlich größer als wir Menschen. Knapp über zwei Meter misst die Venus von Milo, fast dreieinhalb Meter der Neptun in Bolognas Renaissance-Brunnen Fontana di Nettuno. Dass die Unsterblichen im Laufe der Zeit wachsen, das erfährt man in diesen Tagen in Málaga: Eine fünfeinhalb Meter große Venus und ein siebeneinhalb Meter hoher Neptun flankieren den Eingang zum Hafen, in dem Megayachten ankern und Einheimische und Besucher unter Palmen flanieren. Die Liebesgöttin und der Gott der Meere samt vergoldetem Netz – als Bronzestatuen auf drei Meter hohen Sockeln stehend – bilden zusammen mit zwei Löwen im Hintergrund eine Skulpturen-Gruppe mit dem Titel Columnas del Mar.
Die „Säulen des Meeres“ sind das Werk von Ginés Serrán-Pagán. Der 1949 in Ceuta (spanische Exklave in Marokko) geborene Bildhauer ist auf monumentale Skulpturen mit antiker Thematik spezialisiert. Sein Werk umfasst nach eigenen Angaben über 3800 Plastiken und Gemälde mit weltweiter Präsenz in Sammlungen und Museen. Serrán-Pagán hat wahrhaft kolossale Werke geschaffen; die größten stehen in seiner Heimatstadt an der Meerenge von Gibraltar, im Binnenhafen von Ashland (USA) und in der Metropolregion Manila (Philippinen), wo ein 23 Meter hoher Triumphbogen mit römischer Kaiserstatue einen Kreisverkehr ziert.
In Málaga fragt man sich, warum der Künstler Venus und Neptun nebeneinanderstellt (in der Mythologie stehen sie in keiner direkten Beziehung zueinander), warum die Schaumgeborene nicht nackt, sondern in ein wallendes Gewand gehüllt ist, warum ihr Körperbau so robust und ihre Gangart so energisch ist. Und die Löwen mit den Namen Cecil und Xanda? Bei ihnen handelt es sich nicht um mythologische Figuren aus der Welt Homers und Vergils, sondern um Nachbildungen leibhaftiger Raubtiere, die vor einigen Jahren in Afrika von Trophäenjägern erlegt wurden. Was das eine mit dem anderen zu tun hat, erschließt sich zumindest nicht auf den ersten Blick.
Ginés-Serrán und die Hafenverwaltung hatten ursprünglich vereinbart, die Skulpturen als kostenlose Leihgabe für einen Zeitraum von 25 Jahren aufzustellen. Doch am Ende kam es anders. Die Autoridad Portuaria de Málaga beschloss, die „Säulen des Meeres“ an ihrem jetzigen Standort nur sechs Monate lang auszustellen. Bewirkt haben das in erster Linie Rosario Camacho und Salvador Moreno Peralta. Die Kunsthistorikerin Camacho, 83, ist Präsidentin der Real Academia de Bellas Artes de San Telmo, einer Institution, die seit 1848 über den guten Geschmack in Málaga wacht. Camacho hält Venus und Neptun für „reinsten Kitsch“. Die Statuen würden in „das Universum von Marvel“ passen, aber nicht ins Stadtbild von Málaga. Den Werdegang des Künstlers, der 1980 in New York neben Eduardo Chillida im Guggenheim New York ausstellte und 2025 in Miami auf der River Art Fair, bezeichnete die Akademikerin als „merkwürdig“. Salvador Moreno Peralta, 79, ist ein in Málaga angesehener Architekt und ebenfalls Mitglied der Real Academia de Bellas Artes. Der Europa-Nostra-Preisträger 1999 hält die „Säulen des Meeres“ für anachronistisch; sie seien eine „visuelle Barriere“, die den freien Blick auf den Hafen versperrten. „Statt auf Segelschiffe, schauen wir auf die Schenkel Neptuns“.
Die von Camacho und Moreno Peralta ab Januar 2026 im Stil einer Kampagne vorgetragene Kritik fand ein breites Echo in regionalen und nationalen Medien von „Sur“ bis „El País“. Selbst die Londoner „The Times“ widmete sich dem Thema und verglich die Neptun-Statue in einer bildlichen Gegenüberstellung mit der Comicfigur Aquaman. Zeitgleich wurde auf change.org gegen die „beschämenden Imitationen der Ästhetik der Vergangenheit“ eine Unterschriftenaktion initiiert, die in wenigen Wochen von 1500 Menschen unterschrieben wurde. Als Reaktion auf die Polemik ruderte die Hafenverwaltung schließlich zurück und gab bekannt, dass die Skulpturen im September entfernt würden. Entsprechend diskret – ohne rotes Band, Autoritäten, Presse– verlief die Enthüllung der Götterstatuen am 16. März.
Ihr Schöpfer, der den Marktwert von Venus und Neptun auf drei Millionen Euro beziffert, reagierte empört. Seine Widersacher aus der Akademie San Telmo bezeichnete Serrán-Pagán als „arrogant“ und „anmaßend“. Camacho habe die Polemik organisiert, „ohne die Skulpturen vorher gesehen zu haben, ohne mit mir zu sprechen“. Er fühle sich „beleidigt“ und „verleumdet“. Die thematische Verbindung mit der Stadt liege auf der Hand: „Málaga lebt vom Meer und der Sonne. Mein Neptun steht für das kulturelle Erbe der Stadt mit ihren römischen Ruinen. Meine Venus hält eine goldene Sonnenkugel, als Symbol der Costa del Sol“. Das endgültige Urteil werde das Publikum fällen, nicht „Personen, die von Eifersucht, Neid oder sonst was angetrieben, ein Werk bewerten, das sie vorher nicht gesehen haben“.
Torremolinos: Das Geschenk von Sandokan
Wer vom Flughafen Málaga nach Torremolinos kommt, stößt am ersten Kreisverkehr auf ein Monument, das eine Sieges- oder Ehrensäule zu sein scheint. Bei roter Ampel hat man Zeit, das Denkmal flüchtig zu mustern. Ein Sockel mit vier Sphinxen trägt einen schlanken Säulenschaft, an dessen Spitze eine weibliche Figur steht. Die Ampel springt auf Grün, es geht weiter.
Wer das Denkmal entziffern will, muss als Fußgänger an diesen peripheren Verkehrsknotenpunkt zurückkehren und nach einer geeigneten Position suchen. Der Parkplatz eines Supermarktes bietet einen halbwegs brauchbaren Standpunkt. Die Säule überragt die angrenzenden Wohnblöcke und endet in einem korinthischen Kapitell. Darüber befinden sich eine Muschel, zwei Delfine und die besagte weibliche Figur aus Bronze mit einem Hauch Patina. Bei der Figur handelt es sich nicht etwa um eine geflügelte Viktoria mit Lorbeerkranz, sondern um eine barbusige Dame mit halblangem gewelltem Haar, die gerade ihre Hüllen fallen lässt. Ihr heruntergelassenes Faltenkleid bedeckt eher notdürftig die untere Hälfte ihres Gesäßes, vorne ist sie splitternackt. Wer ist SIE? Ein Schriftzug vor dem Sockel mit den Sphinxen gibt Aufschluss: Monumento al Turista. Aha, die Figur ist eine Touristin oder die Allegorie des Fremdenverkehrs. Weitere Erklärungen zur Bedeutung und Urheberschaft des Denkmals gibt es an Ort und Stelle nicht, also fragen wir die KI: Das Monumento al Turista symbolisiert die Bedeutung des Tourismus für die Entwicklung der Costa del Sol. Es wurde von dem Unternehmer Rafael Gómez Sánchez gestiftet und 2002 eingeweiht. Für die Figur auf der Spitze stand angeblich seine Frau Modell, obwohl auch Theorien über eine Darstellung einer schwedischen Touristin existieren. Der ursprüngliche Bildhauer ist nicht eindeutig identifiziert. Das Denkmal sei auch als Statue des Sandokan bekannt.
Klingt fast schon mysteriös, also fragen wir weiter und lesen uns durch die Quellentexte. Die künstlerische Urheberschaft des Denkmals liegt tatsächlich im Dunkeln, um so bekannter ist zumindest in Andalusien der Stifter. Rafael Gómez Sánchez, 1944 in Córdoba in armen Verhältnissen geboren, machte ab den 1990er Jahren eine schillernde Karriere als Bauunternehmer, Präsident des Córdoba Club de Fútbol, Parteigründer und Lokalpolitiker. Seinen Spitznamen erhielt er wegen seiner Ähnlichkeit mit dem Darsteller der TV-Serie „Sandokan – Der Tiger von Malaysia“. Prächtig liefen die Geschäfte von Gómez Sánchez auch an der Costa del Sol, wo er in den Hochjahren des spanischen Immobilienbooms neben zahlreichen Wohnsiedlungen auch die Privatkrankenhäuser der Gruppe Xanit errichtete und den Freizeitpark Tivoli übernahm. Als 2002 das von ihm gestiftete Monumento al Turista enthüllt wurde, waren nicht alle glücklich über das Geschenk von Sandokan, dem eine enge Verbindung zum damaligen Bürgermeister von der konservativen Volkspartei (PP) nachgesagt wurde. Die Dichterin und Illustratorin Aurora Luque verbannte das Denkmal in ihr persönliches „Reich der Albträume“; die Kunstakademie San Telmo bezeichnete es als „eine schreckliche, lächerliche Parodie“. Dem Monument fehle „der geringste Sinn für das Lächerliche“, schrieb in „El País“ Teodoro León Gross, Journalismus-Professor und UNESCO-Lehrstuhl- Sekretär an der Uni Málaga. Endgültig ins Zwielicht rückte die Siegessäule des Tourismus zu Torremolinos, als ihr Stifter 2006 verhaftet wurde und im Anti-Korruptionsverfahren rund um die Plünderung der öffentlichen Kassen Marbellas auf der Anklagebank saß. Die Opposition in Torremolinos unter Führung der sozialistischen PSOE forderte den Abriss des Sandokan-Denkmals.
Als die Sozialisten zwischen 2015 und 2021 schließlich selbst den Bürgermeister stellten und Gómez Sánchez einen Teil seiner über fünfjährigen Haftstrafe absaß, wurde der Abriss allerdings ad acta gelegt, offiziell aus Kostengründen. Stattdessen finanzierte die Stadt jetzt eine andere Art von Kunst im öffentlichen Raum. Street-Art hieß das neue Zauberwort. Unter diesem Etikett wurden im öffentlichen Auftrag eine Reihe von Häuserfassaden großflächig bemalt. Die Motive: internationale Film- und Musiklegenden aus den 1950/60er Jahren von Ava Gardener und Frank Sinatra über Brigitte Bardot bis John Lennon. Sie alle hatten in der Anfangszeit des Tourismus Torremolinos für ein paar Tage oder Wochen besucht, aus privaten oder beruflichen Gründen. Bei den Wand-Ikonen im Pop-Art-Stil handelt es sich freilich nicht um Street-Art im ursprünglichen Sinne. Was da an den Wänden von Appartementblöcken und Hotels prangt, ist nicht der Ausdruck von spontanen künstlerischen Aktionen. Kommuniziert werden keine antikommerziellen, politischen oder sozialen Botschaften.

Seit 2021 regiert wieder die PP. Auch der neue offizielle Slogan „Torremolinos: Der Ursprung des Paradieses“ passt gut zu den Wandmalereien, die den Mythos vom glamourösen Reiseziel und Ursprung des Tourismus an der Costa del Sol beschwören.
Marbella: Sowjetkunst und Fake-Dalís
Nirgendwo in Spanien trieb die Korruption so üppige Blüten wie in Marbella in der Zeit von 1991 bis 2006. Es ist die Ära von Jesús Gil im Amt des Bürgermeisters und die seines Nachfolgers Julián Muñoz. Der Bauunternehmer war in Spanien bereits vor seiner Amtszeit bekannt wie ein bunter Hund. Zu seinem Lebenslauf gehörte eine Gefängnishaft in der Spätzeit der Franco-Diktatur wegen Pfusch am Bau und damit verbundener fahrlässiger Tötung sowie der Vorsitz des legendären Fußballclubs Atlético Madrid.
In den Wahlkampf war er gezogen, weil er in Marbella mit seinen Bauprojekten nicht vorankam, worauf er der sozialistischen Stadtregierung den Kampf ansagte. Als Kandidat der von ihm selbst gegründeten Partei GIL (Grupo Independiente Liberal) gewann er die Kommunalwahlen mit dem Versprechen, die vom Abstieg gezeichnete Stadt zu neuem Glanz zu verhelfen und Reichtum für alle zu schaffen. Marbella sollte per Hochgeschwindigkeitszug an den Flughafen Málaga angebunden werden (bis heute gibt es nicht einmal eine konventionelle Bahnstrecke); 5000 Sozialwohnungen in Rekordzeit hochgezogen, Kleinkriminelle und Prostituierte aus dem Stadtbild verbannt werden.

Tatsächlich im Handumdrehen errichtet wurde ein Bauwerk, das wie kein anderes die GIL-Ära symbolisiert: der Arco de Marbella. Der Betonbogen mit dem Namen der Stadt in Versalien, der wie eine überdimensionale Autobahn-Mautstation die Einfahrt ins Zentrum überspannt, verströmt den Pathos autoritärer Propaganda-Architektur. Er ist das ästhetische Statement der GIL-Ära, in der gesetzliche Ausschreibungspflichten und Flächennutzungspläne außer Kraft gesetzt wurden. Der Bürgermeister und seine Leute entfesselten einen Bauboom auf Grundstücken der Gemeinde, die eigentlich für Parks, Kindergärten, Schulen oder Gesundheitszentren vorgesehen waren. Dass üppige Schmiergelder flossen, war ein offenes Geheimnis. Doch anstatt zu verschleiern, inszenierte sich Jesús Gil als gewiefter Mann aus dem einfachen Volk, der im Gegensatz zum verlogenen Establishment kein Blatt vor den Mund nahm. In einer vom Berlusconi-Sender Telecinco eigens für ihn kreierten TV-Show regierte er Marbella vom Whirlpool aus. Umringt von Bikini-Mädchen stellte er ohne Komplexe ebenso seinen Bierbauch zur Schau wie sein Weltbild. Den Grenzzaun zum britischen Gibraltar wollte er in fünf Minuten abreißen; farbige Fußballspieler bezeichnete er als Neger aus dem Kongo; seine Idole waren Jesus, Franco und Che Guevara.
Mitte der 1990er Jahre, als die ersten Russen nach Marbella kamen und Immobilien kauften, ließ Gil die Siegessäule La Victoria aufstellen - und zwar genau dort, wo es vielen Käufern am besten gefiel: in Puerto Banús. Am Freizeithafen haben Millionäre ihre Anlegestellen, begafft das gemeine Volk Megayachten und Ferraris. La Victoria ist insgesamt dreißig Meter hoch und besteht aus einer Säule mit ionischem Kapitell und einer Statue, die eine muskulöse männliche Figur mit in die Höhe gereckten Armen darstellt. Zwar hält der Muskelmann weder Hammer noch Sichel in den Händen, aber die neoklassische Ästhetik und heroische Pose erinnern an Sowjetkunst, was kein Zufall ist: La Victoria ist das Werk des georgisch-russischen Bilderhauers Surab Zereteli (1934 - 2025), der sowohl in der Sowjetunion als auch in der Russischen Föderation mit staatstragender Monumentalkunst Erfolge feierte. La Estatua del Ruso, wie das Werk im Volksmund heißt, war offiziell ein Geschenk des Moskauer Bürgermeisters an die Stadt Marbella, was die Opposition im Rathaus von Anfang an in Frage stellte.
„Kitsch hat die soziale Funktion, Menschen über ihre eigene Lage zu täuschen, Ziele, die irgendwelchen Mächten genehm sind, ihnen im märchenhaften Glanz erscheinen zu lassen“, schrieb Theodor W. Adorno 1932 in seinen „Musikalischen Schriften“. Das wusste Jesús Gil, auch wenn man davon ausgehen kann, dass er sich mit dem Philosophen der Frankfurter Schule nicht beschäftigt hatte. Doch auch ohne Theorie beherrschte er das Spiel der Täuschung und Verblendung, wenn auch nicht immer alles reibungslos ablief. 1998 ließ Gil an der Avenida del Mar, die von der Altstadt zur Strandpromenade führt, zehn Bronzeskulpturen aufstellen, die Salvador Dalí zugeschrieben wurden. Die figurativen Standbilder im Stil des Surrealismus stellen Dalí-typische Motive dar; zu sehen sind u.a. „Mensch auf einem Delfin und kosmischer Elefant“, „Perseus“ „Don Quijote“ und „Gala am Fenster“. Erworben hatte man sie bei Robert Descharnes, den langjährigen Sekretär des 1989 verstorbenen Künstlers. Es stellte sich jedoch heraus, dass es sich nicht um echte Werke aus der Hand des Meisters handelte, sondern um Nachbildungen auf der Basis von Dalí-Skizzen, die aus einer norditalienischen Gießerei stammten und vom offiziellen Nachlassverwalter des Künstlers, der von ihm selbst gegründeten Stiftung Fundación Gala Salvador Dalí, nicht als authentisch anerkannt wurden.
Gils Zeit als Bürgermeister endete 2002 mit der Amtsenthebung durch den Obersten Gerichtshof wegen Veruntreuung öffentlicher Gelder. Das System des Gilismo wurde von seinem Schüler und Nachfolger Julián Muñoz in einer neuen Ausprägung des politischen Kitsches weitergeführt. Im Bündnis mit den Boulevardmedien verwandelte der neue Bürgermeister Marbella in einen Hofstaat mit der populären Copla-Sängerin Isabel Pantoja als Mätresse. Wenn die Pantoja und Muñoz auftraten, jubelte das Volk. 2006 wurde auch Gils Nachfolger von der Justiz abgesetzt. Seine Verhaftung fand im Rahmen der Operación Malaya statt, die sich als Aufdeckung des größten Korruptionsskandals in der jüngeren Geschichte Spaniens herausstellte. Das Resultat der GIL-Ära: 460 Millionen Euro Schaden für die Stadt, die als Spielball korrupter Politiker und skrupelloser Investoren vor dem finanziellen Abgrund stand. Ans Tageslicht kamen nicht nur schmutzige Geschäfte, sondern auch ein repressives System der Einschüchterung, das von der Policía Local gestützt worden war. Das Märchen von Marbella entpuppte sich als Alptraum.
Ein besonderes Faible für Kunst in der Malaya-Klicke hatte ein Akteur, der bis zur Aufdeckung des Skandals nicht im Rampenlicht stand, sich aber als geheimer Strippenzieher entpuppte: Juan Antonio Roca, Direktor der Behörde für Stadtplanung. Mehrere Hundert Kunstwerke im Wert von 40 Millionen Euro hatte Roca mit den Schmiergeldern erworben. Verglichen damit hatten die falschen Dalís an der Avenida del Mar und die Russen-Statue am Yachthafen nur den Wert von Kleingeld. Erstere kosteten die Stadt 250 Millionen Peseten (1,5 Millionen Euro); La Victoria hatte man für die Hälfte erworben, wobei man verdeckte Immobilien-Überschreibungen an den russischen Urheber vermutet hatte, was von der spanischen Justiz nicht bestätigt wurde.





























Kommentare